5. GVO-freie Region
Gentechnikfreie Region Überlingen (GfR) 
Gründungsdatum: 19.03.2004
Typ: Gentechnikfreie Region 
Nutzfläche: 5000 ha. 
Beteiligte Landwirte: 70
Mit 21:4 Stimmen gab der Überlinger Gemeinderat einer internationalen Initiative "gentechnikfreie Bodenseeregion" Rückendeckung. Nach einer knappen Ablehnung der Petition im Kreistag verstehen die Stadtverwaltung und die Mehrheit des Gemeinderats die Erklärung als wichtiges Signal von unten - auch wenn sich an der rechtlichen Situation damit noch nichts ändere.
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(v.r.): Ernst-Ulrich Schassberger, Präsident der Vereinigung von Spitzenköchen "Eurotoques, Thomas Götz von der Kur und Touristik GmbH, Thomas Vogler und Cornelia Wiethaler im April 2004 mit dem symbolträchtigen Schild. Archiv Walter
Überlingen - "Der Schutz vor Gentechnik stärkt das Vertrauen in die regionalen Produkte und sichert so auch das Einkommen der Landwirte", erklärte Oberbürgermeister Volkmar Weber. Das Attribut "gentechnikfrei" verleihe der Region eine "positive Qualität und ein Alleinstellungsmerkmal". Für Thomas Vogler, den Leiter des städtischen Grünflächenamts, ist die Argumentation nach wie vor aktuell, mit der vor vier Jahren eine gentechnikfreie Zone rund um Überlingen beschlossen und nach außen signalisiert worden war. Daran hätten auch das inzwischen verabschiedete Gentechnikgesetz und die Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln nichts geändert. Oberbürgermeister Weber hatte noch einmal unterstrichen, dass Stadt und Spital alle Pachtverträge "im Rahmen der Möglichkeiten" dahingehend verändert hätten, dass keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden dürfen.
Doch seit der Erklärung von 2004 und der Ausschilderung der "gentechnikfreien Zone" ist Überlingen von forscheren Kräften, vor allem in Vorarlberg und der Schweiz, auf diesem Gebiet überholt worden. Während Baden-Württemberg stets zaudere, sagte Thomas Vogler, habe Oberösterreich ganz bewusst einen Beschluss gegen das EU-Recht gefasst und auch die Landesregierung von Vorarlberg habe sich jetzt klar hinter die Petition für einen Verzicht auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen gestellt.
Beispiele in anderen Ländern wie Kanada hätten längst gezeigt, dass der Geist der gentechnischen Veränderungen bei Lebensmittelpflanzen nicht mehr gezähmt werden könne. Eine Verschleppung durch Insekten oder durch verunreinigte Landmaschinen lasse sich nicht ganz verhindern; auf der anderen Seite seien erhoffte Resistenzen gegen Schädlinge schon nach einigen Jahren wirkungslos. Als "Schwachsinn" bezeichnete Thomas Vogler das Argument, das Hungerproblem lösen zu wollen. Denn das veränderte Saatgut sei so verändert, dass von der Ernte nichts wieder ausgesät werden könne. Gerade darauf wären die Kleinbauern allerdings angewiesen. "Unsere Landschaft braucht keine Gentechnik", resümierte Vogler.
Nur logisch und konsequent ist es für Vogler, auch ganz auf gentechnisch veränderte Futtermittel zu verzichten. Hier wollte Ulrike Plessing (ÜfA) nicht mitziehen. Der Verzicht auf den Anbau sei gut, sagte sie, der Verzicht auf Futtermittel allerdings zu teuer und benachteilige Landwirte, die darauf angewiesen seien und "nur weil wir hier wohnen". Mit jedem umweltschonenderen Verhalten manövriere man sich zunächst in eine "schlechtere Situation", hielt Reinhard A. Weigelt (FDP) entgegen. Doch wie die boomende Bioregion zeige, könne sich dies auszahlen und tue der schönen Landschaft gut. Wenn, dann müsse man jetzt "protestieren", bekannte auch Axel Wieczorek (ÜfA) und plädierte für ein Signal.
Mit einer Erklärung im Leitbild für die Bodenseeregion sei nichts erreicht, widersprach Michael Jeckel (CDU), zumal es rechtlich wirkungslos sei. "Wir manövrieren uns ins Abseits", glaubte Jeckel, währen Martin Hahn (LBU) sich von der Erklärung einen weiteren Schritt zur "Profilierung der Region" erkannte. Zudem gebe es viele biologische Betriebe und 200 bis 300 Arbeitsplätze, die auf die "Gentechnikfreiheit" zwingend angewiesen seien.